Es ist jetzt spät geworden, und endlich ist Ruhe im Haus eingekehrt. Alle schlafen. Mein Mann hat morgen Frühschicht und liegt deshalb auch schon längst im Bett. Ich sitze hier noch in meiner „Küchen-Kommandozentrale“ und werde noch ein bisschen arbeiten, bevor es dann irgendwann nachher wieder heißt: Welpenfüttern die dritte.
Eigentlich sollte die Zeit vor Weihnachten ja die friedliche Zeit sein. Besinnlich, ruhig, voller Einkehr. Wenn ich mich aber hier umsehe, fühlt sich das eher nach einem Survival-Training für Multitasking-Profis an. Mein Büro ist nämlich kein steriler Raum mit ergonomischem Stuhl – mein Büro ist die Küche.
Heute entscheidet sich zwischen Wasserkocher und Toaster das Schicksal meines Jahresabschlusses. Als Selbstständige gibt es kurz vor dem Jahreswechsel kein Pardon: Die Buchhaltung muss fertig werden. Während ich Belege sortiere und versuche, die Zahlenkolonnen in Einklang zu bringen, steht neben meinem Laptop eine Tasse kalter Tee – das Schicksal eines Getränks, das man sich heiß einschenkt, dann aber über einer komplizierten Rechnung völlig vergisst.
Mein Blick geht dabei immer wieder aus dem Fenster. Draußen im Garten toben – wenn sie nicht gerade schlafen – die Welpen. Heute sind sie genau sieben Wochen alt geworden – und es sind nicht nur ein oder zwei, sondern stolze 14 Stück! Das bedeutet: 14 Näpfe sauber machen (und das mehrmals täglich!), unzählige Male „Kacka“ entsorgen, striegeln, kuscheln und natürlich die so wichtige Sozialisierung. Zwischen diesem Fulltime-Job als Hundemama bleibt oft kaum Zeit für etwas anderes, aber ihr unbeschwertes Wuseln zu beobachten, während ich drinnen versuche, die Umsatzsteuer und mein Fernstudium unter einen Hut zu bekommen, ist mein kleiner Moment der Ruhe im Kopf.
Mein Alltag ist momentan ein Spagat zwischen drei Generationen. Da sind meine drei Kinder, deren Vorfreude auf den Weihnachtsmann mittlerweile in pure Euphorie umschlägt. Und dann ist da die Seniorenbetreuung.
Mein Vater und meine Schwiegermutter wohnen nur zehn Minuten Autofahrt entfernt. Das klingt nah, aber diese zehn Minuten sind oft die einzigen Momente am Tag, in denen ich mal tief durchatme, bevor ich am nächsten Einsatzort gebraucht werde. Es ist ein ständiges Pendeln: Kaum ist ein Beleg verbucht oder eine Ladung aus den Wäschebergen befreit, sitze ich schon wieder im Auto, um nach dem Rechten zu sehen.
Wenn ich von meiner Küchen-Zentrale kurz in den Rest des Hauses aufbreche, führt mein Weg unweigerlich durch den Flur. Hier zeigt sich die Realität am deutlichsten: Ich blicke auf meterhohe Wäscheberge, die geduldig darauf warten, dass der Tag 48 Stunden hat.
Doch genau hinter diesen Stoff-Gebirgen blitzt etwas hervor: Der Tannenbaum. Aus der Küche kann ich ihn nicht sehen, aber im Flur entfaltet er seine volle Wirkung. Der „Weihnachtsmann“ war dieses Jahr extrem fleißig und hat ihn bereits geschmückt. Es ist ein fast schon komisches Bild: Links die Sockenstapel des Wahnsinns, rechts das warme, festliche Glitzern. Aber genau dieser Anblick erinnert mich daran: Wir kommen an. Irgendwie.
Trotz des Wahnsinns halte ich an meinem Herzensprojekt fest: Meinem Buch „Eher unwahrscheinlich… oder wie ich lernen musste, erwachsen zu werden“.
Der Titel könnte heute nicht passender sein. Während ich über das „Erwachsenwerden“ schreibe, lerne ich es hier zwischen Küche und Flur jeden Tag neu. Erwachsensein bedeutet nämlich genau das: Den Überblick behalten, wenn die Buchhaltung drückt, die Wäscheberge wachsen, 14 Welpen versorgt werden wollen, die Senioren dich brauchen und die Kinder die vierte heiße Schokolade verlangen.
Es ist eine wilde Reise zu mir selbst. Und auch wenn es „eher unwahrscheinlich“ klingt, dass man das alles gleichzeitig meistert – ich tue es. Mit einer Tasse kaltem Tee und dem festen Glauben daran, dass der Baum im Flur heller strahlt als jeder Wäscheberg hoch sein kann.
Wie sieht euer Weg durchs Haus aus? Stolpert ihr auch über die Realität, während ihr das Fest vorbereitet? Schreibt mir gern eine Mail. Ich freue mich über jeden Austausch zwischen den Belegstapeln.


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