Heute vor genau zwei Wochen sind wir zu Hause in Deutschland gestartet. Unser Trip gestaltet sich bisher nicht ganz so, wie ein „normaler“ Mensch sich Urlaub wohl vorstellt. Aber hey, was ist bei uns schon normal?! Eigentlich hat uns schon der allererste Startschuss zu Hause charmant darauf vorbereitet, dass mal wieder absolut alles anders kommen wird, als wir es minutiös geplant hätten. Wir stiegen also voller Vorfreude ins Auto. Die Kinder waren in ihre Sitze sortiert, Trudi thronte in ihrer Kofferraum-Suite, und das gigantische Koffer-Tetris im Anhänger war gemeistert – wobei am Ende sogar mein Mann kleinlaut feststellen musste, dass der Hausstand der Nachbarn nun wohl doch nicht mehr reingepasst hätte.

Wir fuhren los. Ganze 20 Kilometer weit! Genau dann fiel uns nämlich siedend heiß auf, dass ausgerechnet die Jacke meines Mannes und die unseres großen Kindes noch seelenruhig zu Hause an der Garderobe hingen. Also Kommando zurück: 20 Kilometer wieder nach Hause tuckern, Jacken einsammeln und das große Abenteuer einfach noch einmal von vorn starten. Kaum waren wir dann endlich auf der Autobahn und dachten „Jetzt aber!“, zog plötzlich eine apokalyptisch pechschwarze Qualmwolke direkt vor uns auf. Der Verkehr kam prompt und erbarmungslos zum Erliegen. Ein riesiger Kornacker direkt neben der Fahrbahn stand in hellen Flammen.

Na ja, kein Problem, dachten wir uns mit galgenhumorigem Lächeln und den Füßen der Kinder im Nacken – wir haben ja genügend Zeit! 😉 Unser großes Etappenziel für diesen 12. Juli war es schließlich „nur“, unbeschadet bis an die dänische Küste vorzudringen. Der Plan: Am 13. Juli wollten wir die Seele baumeln lassen und ganz entspannt bei herrlichen sommerlichen Temperaturen den Tag am dänischen Strand verbringen, bevor es auf die Nachtfähre geht. Ob das mit der Entspannung dann wirklich so geklappt hat, wie wir uns das in unserer grenzenlosen Naivität ausgemalt haben… das steht auf einem ganz anderen Blatt! Unser sorgfältig geschmiedeter Plan scheiterte nämlich kläglich – und zwar exakt um 0:40 Uhr nachts. Während die gesamte restliche Besatzung des Autos samt Trudi bereits in einen tiefen, geradezu hundertjährigen Schlaf verfallen war, verließ mein Mann plötzlich die Route und lenkte unseren Wagen zielsicher auf einen x-beliebigen dänischen Autobahnrastplatz. Nachts schlafende Kinder auf einer Rückbank zu wecken, um sie irgendwie umzubetten, kam absolut nicht in Frage. Also beschlossen wir kurzerhand, alle Kinder einfach so in ihren Sitzen weiterschlafen zu lassen. Ein herrliches Wunschdenken. Um 1:00 Uhr nachts wurde das große Kind wach und verbrachte die darauffolgenden Stunden liebevoll damit, mir im Minutentakt „Mama, pssst, ich kann nicht schlafen!“ ins Ohr zu flüstern. Immer und immer wieder. Um 3:30 Uhr erbarmte ich mich schließlich. Ich kroch aus dem inzwischen doch dezent stickigen Auto, schnappte mir unsere Trudi und freute mich geradezu über die nach Abgasen riechende Luft auf dem Parkplatz. Umgeben von monoton brummenden LKWs und einer Wiese, die dekorativ mit Papiertaschentüchern übersät war, atmete ich tief durch. Keine fünf Minuten später ritschte die Schiebetür auf und das große Kind stand neben mir. Da war sie nun, die blanke Realität, nachts um halb vier auf einem dänischen Rastplatz. Frohen Urlaub. Um 7:00 Uhr hatten dann auch mein Mann und das kleine Kind ausgeschlafen. Was soll ich sagen? Wenn sogar ein eigentlich super biegsamer Dreijähriger morgens steif wie ein Brett aus dem Kindersitz klettert, dann sieht bequemes Schlafen wohl definitiv anders aus.

Nachdem wir die restliche Strecke bis zur Küste dann doch irgendwie hinter uns gebracht hatten, schleppten sich unsere übermüdeten Körper erst einmal zu einem Bäcker in Hirtshals. Die Vorstellung, sich bei brütenden 29 Grad für ein Nickerchen auf eine glühende Betondecke zu legen, klang allerdings so gar nicht nach entspanntem Urlaubsfeeling. Also machten wir uns auf die Suche nach einem Wald – und fanden tatsächlich ein wunderbar gemütliches Plätzchen im kühlen Schatten. Mittagsschlaf für alle! Wenigstens kurz. Denn abends mussten wir uns schließlich völlig gerädert auf die Nachtfähre begeben. Immerhin gab es dort einen kleinen Trostpreis für meine minutiöse Urlaubsplanung: Der extra für diese Reise angeschaffte Kombikinderwagen kam auf dem Schiff voll zum Einsatz und machte sich endlich bezahlt! Das war allerdings auch sein einziger großer Auftritt, denn zu meinem Erschrecken musste ich feststellen, dass wir dieses monströse Gefährt bis zum heutigen Tag hier in Norwegen exakt *nie wieder* gebraucht haben.

Nach der Fähre steuerten wir auf norwegischem Boden direkt den nächsten Waldparkplatz an. Und siehe da: Zum allerersten Mal durften die Jungs tatsächlich richtig bequem schlafen! In einer hellsichtigen Vorahnung hatten wir die Betten nämlich schon vor der Fährüberfahrt präpariert. So hieß es nachts um 2:50 Uhr nur noch: abschnallen, hinlegen, weiterschlafen. Wenigstens für die Kids. Mein Mann und ich kurbelten derweil voller „Vorfreude“ die Rückenlehnen von Fahrer- und Beifahrersitz so weit es ging nach unten, zogen uns die Decken bis zum Kinn und hofften in dieser Nacht beide einfach nur inständig und stumm, dass die Betten in unserer endgültigen Unterkunft um ein Vielfaches besser sein würden als dieses ergonomische Desaster. Als die Sonne dann aufging – beziehungsweise als es einfach noch ein bisschen heller wurde, als es in dieser skandinavischen Sommernacht ohnehin schon war –, machten wir uns endlich auf den Weg weiter hoch in Richtung Trondheim. Für mich stand fest: Was wir auf der Fahrt an Sehenswürdigkeiten mitnehmen können, nehmen wir auch mit! So bescherte uns dieser 14. Juli einen gigantischen Wasserfall, der *natürlich* nur einen absolut „klitzekleinen“ Umweg bedeutete. Die Kinder konnten ihre Füße direkt zwischen den riesigen Steinen baden – nur um mit schmerzverzerrten Gesichtern festzustellen, wie erbarmungslos eisig echtes norwegisches Bergwasser wirklich sein kann. Danach hieß das nächste Etappenziel: ab auf die E6, wir wollen den berühmten Silberelch sehen! Allerdings hatte uns mein „kleiner“ Wasserfall-Schlenker derart von der eigentlichen Route abgebracht, dass unser Navi beschloss, uns über eine karge Hochebene in 1000 Metern Höhe zurück auf die E6 zu lotsen. Was für ein unfassbar beeindruckendes Gefühl! Plötzlich hast du um dich herum einfach… nichts mehr. Nur noch schroffe Steine, raues Gras, ein paar verirrte Schafe und dichte Elchflechte. Kein Mensch, kein anderes Auto, nicht ein Hauch von Zivilisation und schon gar kein Ende in Sicht.

Die darauffolgende Nacht zum 15. Juli verbrachten wir dann stilecht direkt beim Silberelch. Das nächtliche Bettentetris im Auto kannten wir ja mittlerweile in- und auswendig, was spielte da eine weitere Nacht auf vier Rädern schon für eine Rolle? Allerdings holte uns exakt an dieser Stelle meine liebevolle Reisevorbereitung ein. Unser großes Kind hatte sich nämlich gleich nach der dänischen Grenze zum ersten Mal genüsslich aufs Knie gelegt. Dort reichte noch ein kleines Pflaster, das ich schnell zur Hand hatte. Nur einen Tag später, morgens um 5 Uhr auf irgendeinem Rastplatz, musste die Wunde dann aber schon ordentlich mit Desinfektionsmittel verarztet werden. Tja, und wo war die „ganz große“ Erste-Hilfe-Tasche für solche Fälle? Richtig. Wer hätte es ahnen können: tief, sehr tief im restlos vollgestopften Anhänger verbuddelt. Also wurde erst einmal improvisiert, der Kfz-Verbandskasten war ja zum Glück noch griffbereit. Neben dem Silberelch bekam der Große dann allerdings zum dritten Mal diese ominösen Gummibeine und fiel – wie sollte es vom Schicksal auch anders vorgesehen sein – zielsicher zum dritten Mal auf exakt dasselbe Knie. Nun reichte keine Improvisation mehr aus, jetzt brauchte ich zwingend die ganz große Verbandstasche. Mein Mann schluckte kurz. Dann packte er mit einem herrlich gezwungenen Lächeln auf den Lippen auf dem Rastplatz den gesamten Anhänger ab… nur um ihn nach erfolgreicher Bergung der Tasche seufzend wieder komplett einzuräumen.

Am Nachmittag dieses besagten 15. Juli war es dann aber tatsächlich so weit: Wir erreichten endlich unsere Unterkunft. Puh, was für ein absoluter Traum! Ein idyllischer, friedlicher Ort auf einem kleinen Hügel, musikalisch untermalt vom ständigen Bimmeln der Schafsglocken und mit einer atemberaubenden Aussicht auf die ganz großen, majestätischen Brüder unseres kleinen Hügelchens. Das Haus selbst erstrahlte in seinem ganz eigenen, charmanten Glanz: richtig urig, komplett aus Holz, und der Boden knackste bei jedem einzelnen Schritt herrlich gemütlich vor sich hin.

Mein Mann und ich teilten strategisch die Schlafzimmer auf und bauten die beiden mitgebrachten Kinderreisebetten auf. Danach blieb eigentlich nur noch eine „Winzigkeit“ zu tun: Wir luden den *gesamten* Inhalt unseres vollgestopften Anhängers ins Haus. Natürlich haben wir unser Gepäck für fünf mögliche Weltuntergangs-Szenarien penibel und weiträumig so auf dem knarzenden Holzboden verteilt, dass im Dunkeln (hoffentlich) niemand drüber stolpert. Den 16. Juli verbrachten wir dann ganz pragmatisch mit dem ersten norwegischen Großeinkauf und dem Auspacken unserer gefühlt hundert Taschen. Na ja, zumindest haben wir es *versucht*. Es stellte sich nämlich relativ schnell heraus: Kleiderschränke gibt es in unserem urigen Holztraum schlichtweg nicht. Improvisation ist also weiterhin unser bester Freund! Die nicht gebrauchten Betten im Haus wurden kurzerhand zu unserer neuen, hochmodernen textilen Ablagefläche umfunktioniert. Und was soll ich sagen? Heute, am 26. Juli, leben wir nach wie vor fröhlich aus unseren Taschen und ein beträchtlicher Teil der Wäsche schlummert immer noch tief in den Koffern. Denn eigentlich leben wir ja ziemlich pragmatisch: Eine komplette Garderobe hat man ohnehin direkt am Körper. Wie konnte ich das bei meinen ganzen wilden Weltuntergangs-Pack-Gedanken zu Hause bloß übersehen? Die zweite Garderobe hängt derweil permanent auf dem Wäscheständer, um von dort aus direkt wieder angezogen zu werden! 😉 Hier oben auf dem Hügel haben wir aber nicht nur Koffer-Chaos, sondern auch fantastische Nachbarn gefunden. Unser Vermieter ist zum Beispiel ein unglaublich netter, freundlicher älterer Mann und Schäfer durch und durch. Unsere Verständigung funktioniert wunderbar pragmatisch über eine kreative Mischung aus halb Englisch und fließenden Händen und Füßen – aber für einen netten Plausch ist er absolut jederzeit zu haben. Seine liebe Frau hat uns außerdem stolz die geheimnisvollen norwegischen Moltebeeren gezeigt, während unsere Trudi überglücklich und schwanzwedelnd mit den Hunden des Schäfers über die Wiesen getobt ist. In der Zeit hier haben wir seitdem einfach wundervolle Stunden erlebt. Wir waren an der rauen Atlantikküste, sind über die atemberaubende Atlantikstraße gefahren, haben in Trondheim das Freilichtmuseum besucht, um tief in die Vergangenheit Norwegens einzutauchen, und haben natürlich – mit mehr oder weniger Erfolg – unser Anglerglück versucht. Es lief einfach rund.

Bis zu dem Moment, als plötzlich das große Kind rief: „Mama, kannst du mal kommen? Ich glaube, Bruno hat was kaputt gemacht!“ Nun, es ist bei uns ja absoluter Standard, dass erst einmal jeder versucht, dem Bruder die Schuld in die Schuhe zu schieben, weshalb ich prinzipiell immer davon ausgehe: *Die* haben es sowieso wieder gemeinschaftlich verzapft. So auch in diesem Fall. Mit einem leichten Anflug von innerem Augenzucken stapfte ich also los – nur um mit blankem Entsetzen festzustellen, dass unser Wohnzimmersessel, ein wunderschönes, filigranes Stück aus Bambus, in seine feinsten Einzelteile zerbrochen vor uns lag. Die Erklärungsversuche liefen natürlich wie auf Autopilot: „Ich war das aber nicht!“, „Ich habe das nicht gemacht!“, „Das war…“. Ich war schlicht und einfach wütend. Kurzerhand verdonnerte ich beide Jungs dazu, sich auf der Stelle auf ihre Küchenstühle zu setzen, und machte unmissverständlich klar: Wenn es auch nur einer wagt, aufzustehen, können sie sich aber ganz, ganz warm anziehen! Und was soll ich sagen? Sie spürten sofort, dass heute nicht mit mir zu spaßen ist, und blieben stumm und artig, tief auf den Boden starrend, auf ihren Stühlen sitzen. Währenddessen versuchten mein Mann und ich, die Lage zu sortieren und eine spontane, diplomatische Lösung zu finden. Die fanden wir natürlich nicht. Also zuckten wir irgendwann ratlos mit den Schultern: Gut, schreiben wir es eben auf die Rechnung… Aber als wäre das noch nicht genug des Guten, schlug das Schicksal direkt am selben Tag noch einmal zu. Ich brachte gerade das kleine Kind ins Bett und wollte, wie jeden Abend, das Fenster schließen – doch traute ich meinen Augen nicht: Der Fenstergriff war abgebrochen! Es durfte doch alles nicht wahr sein. Es war ja nicht einfach irgendein x-beliebiger Fenstergriff, sondern bei so alten Holzfenstern, die nach außen öffnen, ist es eben zwingend erforderlich, auch exakt passende Fenstergriffe zu verbauen.

Die nächsten zwei Tage bestanden somit offiziell daraus, sämtliche Baumärkte in der Umgebung abzuklappern und genau dieses Ersatzteil zu suchen. Da wir den Griff online in Dänemark gefunden hatten, musste es verdammt noch mal ja wohl möglich sein, dieses Ding auch irgendwo hier in Norwegen aufzutreiben. Überall bekamen wir jedoch stets dieselbe ernüchternde Antwort: „Ja, so etwas Ähnliches haben wir schon, aber nicht exakt dieses Modell.“ Ok, weiter zum nächsten. Erfolglos ging es am ersten Tag zurück nach Hause. Gut, neuer Tag, neuer Versuch. Doch der letzte Baumarkt brachte dann endlich den rettenden Geistesblitz: „Nebenan ist eine professionelle Fensterfirma, versuchen Sie es doch einfach mal dort.“ Und siehe da – Treffer! Die Adresse wurde direkt nach dem erfolgreichen Kauf und der heiligen Rettung des Weltfriedens sofort in Google Maps abgespeichert. Man weiß schließlich nie, was bei uns als Nächstes passiert! 😉 Am 24. Juli hängte ich dann eigentlich noch völlig friedvergnügt die Wäsche in der Speisekammer auf, nur um prompt festzustellen, dass bei der alten Glaslaterne mit der Lichterkette eine Scheibe in Scherben lag. Bruno gestand daraufhin völlig freiwillig und mit einer erstaunlichen Unschuldsmiene: „Ich wollte gucken, was passiert, wenn ich *ditsch* mache.“ Im exakt selben Moment holte er fröhlich mit dem Bein zum Schuss aus – ah, das war also sein besagter *Ditsch*. Okay. Einmal tief durchatmen. Ich schreib’s einfach mit auf die Mängelliste. Wir bezahlen das dann alles gesammelt und zähneknirschend bei der Abreise. Den Wohnzimmerstuhl hatten wir in der Zwischenzeit nämlich auch schon online gefunden. Na ja, kostet ja „nur“ 170 Euro. Plus den bereits erworbenen Fenstergriff für 21 Euro – da fällt diese dusselige Laterne nun wirklich auch nicht mehr ins Gewicht. Galgenhumor hilft bekanntlich beim Überleben. Und wie der Zufall es so wollte, trafen wir kurz darauf beim Gassigehen mit Trudi auf unseren Vermieter. Um absolut sicherzugehen, dass wir uns bei diesem heiklen Thema auch gegenseitig richtig verstehen, vertraute ich voll und ganz auf den Google Übersetzer, der fleißig und roboterhaft von Deutsch auf Norwegisch und wieder zurück übersetzte. Etwas gebrochen (und peinlich berührt) gestanden wir unsere gesammelten Zerstörungen im Haus und versicherten hoch und heilig, dass wir dafür selbstverständlich finanziell aufkommen würden. Er und seine Frau winkten jedoch völlig entspannt ab und beruhigten uns: Diese Schäden hätten alle schon vor unserer Ankunft bestanden. (Okay, bei der Lampe ist das vielleicht noch möglich, aber bei dem in Einzelteile zerlegten Stuhl in der Wohnstube?!). Sie bestanden aber vehement darauf, dass wir das definitiv nicht gewesen seien. Mir fiel ein Stein vom Herzen, den man garantiert bis nach Deutschland hat plumpsen hören! Das Geheimnis war gelüftet, und so wie es momentan aussah, würde unsere hart ersehnte Urlaubskasse nun doch nicht übermäßig belastet werden. Da es draußen allerdings seit zwei Tagen ununterbrochen in Strömen regnete und wir langsam Angst bekamen, dass im Haus andernfalls *wirklich* noch etwas Neues zu Bruch gehen würde, beschlossen wir, unsere geballte Energie in eine Trampolinhalle auszulagern. Blieb nur eine Frage: Und was machen wir mit Trudi? Mein Bauchgefühl meldete sich sofort lautstark: „Nimm sie mit, im Auto ist sie definitiv besser aufgehoben!“ Mein Mann hingegen war völlig entspannt: „Ach Quatsch, sie schläft doch nachts auch ganz brav im Flur. Lass sie hier, dann muss sie nicht stundenlang im kalten Auto warten.“ Okay. Überredet. Als wir dann nach vier anstrengenden Stunden völlig ausgepowert nach Hause kamen, bereute ich diese Entscheidung zutiefst. Trudi hatte diese vier Stunden sturmfreie Bude nämlich äußerst produktiv genutzt, um die massive Echtholztür und das rustikale Holzfenster direkt neben der Eingangstür schon mal großflächig als Zahnstocher vorzubereiten.

Ich war wirklich kurz davor, mich einfach auf der Stelle in eine Ecke zu setzen und hemmungslos zu heulen. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Aber für einen dramatischen Zusammenbruch fehlte mir in dem Moment schlichtweg die Zeit. Die Kids waren nach dem Trampolin-Marathon völlig am Ende und mussten dringend ins Bett. Also schnappte sich mein Mann ein kleines Kind, ich mir das andere, und wir flüchteten quasi vor dem Chaos direkt die knarzende Treppe hoch. Rückblickend war das auch definitiv besser so. Wäre ich in diesem Moment auch nur eine Sekunde länger unten im Flur stehen geblieben, hätte ich Trudi wohl gefragt, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hat!

Unsere Vermieter waren passenderweise über das Wochenende verreist. Die Schäfchen wurden in dieser Zeit nur von seinem Sohn versorgt, den wir dank unserer majestätischen Hügellage zum Glück immer schon meilenweit vor seiner eigentlichen Ankunft erahnen konnten. Mein Mann nutzte diese Galgenfrist für eine Undercover-Operation und schickte mich gestern kurzerhand erneut in den Baumarkt. Ich kam mit allem zurück, was auch nur im Entferntesten nach Holzspachtel, Reparaturmasse oder Rettung in der Not aussah. Natürlich haben wir als pflichtbewusste Familie eine Hundehalterhaftpflicht. Aber… Trommelwirbel… natürlich nicht für diesen Hund! Trudi war ja der Hund meiner Mum, und irgendwie habe ich es in den ganzen zwei Jahren schlichtweg nicht auf die Kette gekriegt, dieses kleine, aber feine bürokratische Detail zu regeln. Dickes, fettes Memo an mich selbst, für den Bruchteil einer Sekunde, in dem wir wieder zu Hause sind: HUNDEHALTERHAFTPFLICHT abschließen!!! Wir verwandelten uns also notgedrungen in professionelle Handwerker. Wir schliffen die angenagte Tür und das Fenster ab, trugen Spachtelmasse auf, ließen das Ganze trocknen, schliffen wieder, trugen wieder Spachtel auf… und so weiter.

Fehlte eigentlich nur noch die passende Farbe, um unsere Spuren endgültig zu verwischen. Auf dem Dachboden unseres Hauses gibt es ein kleines, gesperrtes Zimmer, in dem offensichtlich noch renoviert wird. Wir warfen einen unauffälligen Blick hinein und siehe da: Jackpot! Wir fanden tatsächlich Reste von Farbe in exakt dem Farbton, den wir für unsere verdeckte Holz-Rettungs-Aktion brauchten. Manchmal muss man eben auch einfach mal Glück im Unglück haben! Heute ist nun also offiziell Halbzeit! Morgen früh pilgere ich noch einmal in meinen neuen norwegischen Lieblingsbaumarkt und kaufe eine richtig gute Lackrolle. Dann kommt die gefundene Farbe drauf, und dann hoffen wir einfach mal ganz stark, dass die restlichen eineinhalb Wochen tatsächlich noch so etwas wie entspanntes Urlaubsfeeling mit sich bringen.
Eines habe ich aus diesem Trip aber definitiv schon jetzt fürs Leben gelernt: Ab sofort miete ich für unsere Ferien ausschließlich nur noch atombombensichere Luftschutzbunker! Da geht wenigstens nicht ganz so schnell etwas kaputt… 😂
So, ihr Lieben, ich melde mich wieder, sofern ich diesen Wahnsinn überlebe 🙂
Liebe Grüße aus dem 11 Grad kalten Norwegen



