Manchmal frage ich mich, ob mein Leben eigentlich eine versteckte Kamera-Show ist, bei der die Regie kurz vor dem Jahreswechsel noch mal ordentlich Gas gibt. Ein kleiner Lichtblick war gestern der Schulstart: Endlich kehrt ein Hauch von Normalität ein, und zumindest der Große verlässt das Haus wieder in einer Struktur, die fast schon verdächtig ordentlich aussieht. Aber keine Sorge, im Garten und am Schreibtisch wird hart daran gearbeitet, das Chaos-Level auf Höchststand zu halten.
Gestern gab es hier nämlich eine filmreife Vorstellung, für die man eigentlich Eintritt hätte verlangen müssen. Ich war gerade dabei, drei Liter warme Ziegenmilch zum Gehege zu balancieren, als unsere kleine Rosa zum Sprung ansetzte. Die Dame entschied sich für eine spontane Einlage und schoss mir zielsicher genau zwischen die Füße. Ich hatte die Wahl: Entweder den Welpen plätten oder eine artistische Flugeinlage meinerseits. Natürlich habe ich mich für den Boden entschieden. Während ich also wenig elegant im Dreck landete und die Milch in einem majestätischen Schwall über die Steine floss, starteten Trudi und unser Aussie Littlefoot sofort die „Operation Kiesel-Lecken“. Rosa war natürlich mittendrin im Schlaraffenland. Und die restlichen neun Welpen? Die saßen wie festgetackert hinter dem Zaun und schauten sich das Spektakel mit einer Ruhe an, die mich vermuten lässt, dass sie noch nie so gutes Kino gebucht hatten. Wahrscheinlich warten sie heute noch auf die Fortsetzung.
Die Quittung für meine Heldentat trage ich heute am Bein: Mein Knie ist seit dem Sturz wieder mächtig dick. Die alte Baustelle von der OP 2020 lässt grüßen und pocht im Takt der Minusgrade. Aber die Natur nimmt keine Rücksicht auf geschwollene Gelenke. Draußen herrschen aktuell minus sieben Grad, was das Saubermachen im Garten zu einem echten Abenteuer macht. „Aufsammeln“ ist bei diesem Frost ein Fremdwort; eigentlich war ich heute im Untertagebau tätig. Die Hinterlassenschaften der zehn Welpen waren so festgefroren, dass ich sie bergmännisch mit der Hacke abbauen musste. Gefrorene „Nuggets“ aus dem Betonboden zu meißeln, während das Knie „Stopp“ schreit, ist definitiv der Teil der Hundezucht, der in keinem Hochglanz-Ratgeber steht.
Doch wenn man dann völlig durchgefroren und mit schmerzendem Knie reinkommt, gibt es diese Momente, die einen sofort entschädigen. Plötzlich sieht man einen riesigen, wuselnden Haufen aus Fell, Pfoten und Ohren. Alle zehn verbliebenen Welpen hatten offenbar gleichzeitig die Idee, dass es Zeit für ein Gruppenkuscheln ist – und zwar alle zusammen in Mamas Körbchen. Wie sie sich da in- und übereinander gestapelt haben, nur um irgendwie alle reinzupassen, war ein Bild für die Götter.
Zwischen Eispickel-Aktionen, dicken Knien und Kuschelhaufen nagt dann auch noch das ewige Züchter-Gewissen an mir. Es ist bei jedem Wurf das Gleiche: Wir hatten ursprünglich 14 dieser kleinen Räuber, die ersten sind schon ausgezogen, und am Samstag sollen – sofern der angekündigte „Bombenzyklon“ uns nicht wegpustet – die nächsten vier in ihr neues Leben starten. Ich bin bei den Wetterpropheten ja skeptisch, schließlich hatten wir auch einen „Jahrhundertsommer“ versprochen bekommen, der sich als Dauerherbst entpuppte. Dennoch kreisen die Fragen im Kopf: Sind sie bereit? Haben sie in der Räuberhöhle alles gelernt? Machen wir zu wenig, weil sie so viel schlafen müssen? Dass nach Samstag nur noch sechs hier sind, von denen ein Bub und drei Mädels noch ihr passendes Personal suchen, macht die Sache im Kopf nicht leiser.
Zu guter Letzt wartet dann noch der Endgegner auf mich: Die Buchhaltung für GanzTierisch. Das eine Amt will dies, das andere jenes – ich frage mich wirklich, wer diesen Papierkrieg erfunden hat. Wer auch immer die Bürokratie erfunden hat, gehört bei minus 7 Grad in den Garten zum Hacken. Meine To-do-Liste im Kopf ist aktuell einfach viel zu lang, aber ich beiße mich da jetzt durch. Ich will diesen Berg an Belegen unbedingt hinter mir lassen, bevor es vom 23. bis 25. Januar ins Tropical Islands geht. Drei Tage Wärme tanken, Sand unter den Füßen statt Eis unter der Hacke und das dicke Knie im Wasser baumeln lassen – das ist das Ziel, das mich heute durch den Frost und den Papierkram rettet. In diesem Sinne: Glück auf beim Bergbau



