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12.01.2026Wenn das Bauchgefühl „Stopp“ schreit: Warum ich als Züchter auf die leisen Töne hören muss

In meinem Buch schreibe ich darüber, wie ich lernen musste, erwachsen zu werden. Ein großer Teil dieses Prozesses ist es, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für sich selbst, sondern für jene, die keine eigene Stimme haben.

Privat bin ich ein Mensch, der nicht nachtragend ist. Ich brauche meine Zeit, um Ärger zu verdauen, aber dann ist es auch gut. Doch als Züchterin trage ich eine andere Maske. Da bin ich die Anwältin meiner Welpen. Und in dieser Rolle höre ich auf jedes kleinste „Piepen“ im Gespräch. Wenn mein Bauchgefühl einmal sagt: „Hier stimmt etwas nicht“, dann gibt es keine Korrektur mehr.

Der Moment, in dem die Alarmglocken schrillten

Gestern hatte ich Besuch von einer Familie. Oma, Opa, Enkelsohn – sie alle wollten eines meiner Bärchen kennenlernen. Eigentlich ein schönes Bild. Doch dann fiel dieser eine Satz, der alles veränderte.

Die Oma sagte zu ihrem sichtlich schüchternen Enkelkind: „Wenn du den Hund jetzt nicht streichelst, kannst du heute bei deiner Mama schlafen und nicht bei Oma.“

In diesem Moment war für mich das Gespräch innerlich beendet.

Warum ein kleiner Satz so schwer wiegt

Mancher mag denken: „Das war doch nur so dahingesagt. Und eigentlich gehen mich die Familienverhältnisse fremder Leute nichts an.“ Das stimmt – als reine Züchterin könnte mir die private Dynamik egal sein. Aber als Mensch, als Mama und eben als verantwortungsbewusste Züchterin ist das etwas völlig anderes. Ich kann diese Rollen nicht trennen, wenn es um das Wohl eines Lebewesens geht.

Für mich offenbart dieser Satz ein tiefgreifendes Problem: Es ist emotionale Erpressung.

 * Druck statt Empathie: Wenn Liebe und Geborgenheit als Druckmittel eingesetzt werden, um ein Kind zu einer Handlung zu zwingen, fehlt es an Respekt vor persönlichen Grenzen.

 * Der Hund als Werkzeug: Ein Welpe ist kein Instrument, um Erziehungsziele durchzusetzen. Er ist ein Lebewesen, das einen Platz braucht, an dem seine Grenzen geachtet werden.

 * Die Zukunft des Tieres: Wenn schon bei einem Enkelkind so wenig Geduld herrscht – was passiert dann, wenn der Welpe nicht sofort „funktioniert“?

Ein „Nein“ bleibt ein „Nein“

Ich habe die Vermittlung abgelehnt. Kurz darauf kam der Versuch, mich umzustimmen – mit dem Klassiker: „Die Kinder sind jetzt so traurig.“

Wieder wurde das Gefühl der Kinder als Druckmittel gegen mich verwendet. Doch meine Entscheidung steht. Ein „Nein“ ist in diesem Fall ein „Ja“ zum Schutz meines Welpen. Als Züchterin ist es mein Job, das „Für-immer-Zuhause“ zu finden, in dem Harmonie und Respekt herrschen, nicht Druck und Bedingungen.

Erwachsen werden bedeutete für mich auch, zu lernen, dass man nicht jedem gefallen muss. Meine Verantwortung endet nicht an der Haustür. Sie beginnt dort, wo ich entscheide, wem ich dieses kleine Leben anvertraue.

Absage bleibt Absage. Für meine Bärchen nur das Beste.

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