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30.01.2026 GanzTierisch im Marathon-Modus

Wenn der Hammer endlich fällt

Es ist jetzt halb zehn am Freitagabend. Endlich ist es still im Haus – eine Stille, die sich nach dieser Woche fast schon unwirklich anfühlt. Mein Mann ist in der Nachtschicht, die kleinen „Gremlins“ schlafen tief und mein Großer verbringt die Nacht beim Opa. Sogar die zwei Welpen liegen nach einem langen Tag satt und müde in ihren Körbchen. Die großen Hunde haben mir längst unmissverständlich klargemacht, dass sie ihren Schönheitsschlaf brauchen und ich sie bitte nicht weiter stören soll.
​Ich sitze hier in der gedimmten Küche und lasse diesen Wahnsinn Revue passieren. Wenn ich ehrlich bin, fühlt es sich an, als hätte ich in diesen sieben Tagen ein ganzes Jahr gelebt.

Der ganze Wahnsinn begann eigentlich schon letzten Freitag mit unserem Versuch eines strukturierten Starts in den Kurzurlaub. Doch die Realität hatte andere Pläne. Erst war einer der Welpen spurlos verschwunden – Panik und Herzstillstand inklusive –, bis wir ihn selig schlummernd in einem Versteck fanden. Dann flutete eines der Kinder unser Bad, weil das Physik-Experiment „Ich stecke eine ganze Klopapierrolle ins Klo“ leider scheiterte (der Pümpel ist bis heute auf der Vermisstenliste) und zu guter Letzt suchten wir zwanzig Minuten das Handy meines Mannes. Da es grundsätzlich auf lautlos steht, war das Anrufen so effektiv wie ein Gespräch mit einer Wand. Der Urlaub selbst war dann eine ganz eigene Lektion in Sachen „Luxus“: fremde Haare in den Handtüchern, Sand im Bett, ein Wasserkocher, der unter einer antiken Staubschicht begraben lag, und Fahrstühle, die natürlich genau dann den Geist aufgeben, wenn man mit Kind und Kegel davorsteht (von anderen Besuchern erfuhren wir dann, dass die Fahrstühle auch letztes Jahr schon defekt waren).
​Als wir am Sonntagabend endlich wieder zu Hause landeten, hoffte ich auf ein kurzes Durchatmen, doch der Montagmorgen empfing uns direkt mit spiegelglattem Blitzeis. Die Welt stand still, Schule und Kita blieben zu. Mein Mann musste erst am Montagabend wieder los, aber trotzdem hingen bei diesem plötzlichen Ausnahmezustand wieder gefühlt 90 Prozent von allem an mir. In dieses Chaos platzte der Anruf meines Papas: Er musste sich einen Krankenwagen rufen. In diesem Moment willst du nur losrennen, aber im Garten stand zeitgleich schon die Familie bereit, um zwei unserer Welpen abzuholen. Dieser Spagat zwischen der brennenden Sorge um den Vater und dem herzlichen Lächeln für die Welpenkäufer war fast schon filmreif. Mittlerweile sind alle Bärchen ausgezogen oder fest versprochen – 14 Hundeengel strecken ihre Flügel aus und wollen nun die große weite Welt mit ihren Menschen entdecken. 
​Der Dienstag schluckte dann den Rest der Kraftreserven mit einem Termin in der Uniklinik für unser Bonuskind und einer anschließenden Elternversammlung in der Kita. Auf diesen viel zu kleinen Stühlen zu sitzen und zu hören, dass der eigene Mittlere im Mai schon zu den „Großen“ wechselt, löste ein ganz eigenes, flaues Unbehagen in mir aus. Es ist dieses Wissen, wie unaufhaltsam die Zeit uns durch die Finger rinnt, während wir versuchen ihr hinterher zu jagen. Am Mittwoch wurde ich dann zur Logistik-Meisterin: Papa wurde aus der Klinik entlassen, genau in der Stunde, in der die Welpen zum Impfen mussten. Also Hunde in den Kofferraum, ab zur Klinik, Papa als Taxi sicher nach Hause gebracht und mit den Welpen direkt weiter zum Tierarzt. Seitdem kämpfen die zwei verbliebenen Kleinen mit Durchfall – eine charmante Nebenwirkung der Impfung, gegen die wir gerade mit Naturkraft Pro 5 arbeiten.
​Gestern an diesem Donnerstag, fühlte sich dann alles wie ein schlecht geplanter Streich an. Ein wichtiger Termin bei Papa um 11 Uhr, für den ich mich zerrissen habe, nur um am Telefon zu hören: „Wir kommen erst um 12.“ Als ich die Kinder um 13 Uhr aus der Kita abholte, kassierte ich von der Erzieherin nur ein genervtes: „Du bist zu früh, Franzi, das ist nicht so schön, wir sind noch nicht fertig.“ Ich schluckte den Kommentar runter, während ich innerlich dachte, dass sie keine Ahnung hat, dass ich überhaupt froh bin, heute angezogen hier zu stehen. Kaum zu Hause, schälte ich die Kinder im Akkord aus ihren Schneeanzügen, denn der nächste Welpenbesuch stand schon um 14:30 Uhr vor der Tür – natürlich überpünktlich. Dass das Haus überhaupt vorzeigbar war, verdanke ich meinem Mann, der nach nur drei Stunden Schlaf aufgestanden ist, um mir den Rücken freizuhalten.

Und heute? Heute war der Termin beim gerichtlichen Gutachter. Ein Tag, der mir alles abverlangt hat. Ich bin ein gebrandmarktes Kind und ich mache kein Geheimnis daraus. Jede Narbe auf meinem Körper und meiner Seele hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Aber genau deshalb brauche ich bei solchen Terminen meinen Fels in der Brandung – meinen Mann. Was wir dann erlebten, macht mich immer noch fassungslos. Ein Doktor, der seinen Eid wohl vergessen hat und uns mit einer Kälte behandelte, die kaum in Worte zu fassen ist. Ohne Begrüßung, ohne uns zu Wort kommen zu lassen, wollte er meinen Mann vor die Tür schicken. Er wollte uns spüren lassen, dass wir für ihn Menschen zweiter Klasse sind. Aber ein echter Fels lässt sich nicht verschieben. Mein Mann blieb. Und der Doktor? Er beendete das Gespräch einfach, bevor es überhaupt begonnen hatte. 3 Stunden Autofahrt für nichts. 
​Nun sitze ich hier mit leeren Akkus, aber während ich auf morgen blicke, muss ich schmunzeln. Morgen Vormittag kommen neue Welpeneltern, um unsere „Nr. 13“ abzuholen. Ich muss an ihre Geburt denken – eines der kleinen Überraschungspakete, für die ich gar keine Halsbänder mehr hatte, weil ich nur mit zwölf gerechnet hatte. Sie zieht morgen hinaus in ihr großes Abenteuer und ein Teil von mir zieht mit ihr.
​Mein Wort zum Freitag
​Ich sitze hier mit leeren Akkus, aber eines möchte ich euch allen da draußen sagen: Lasst euch nicht klein machen. Niemand hat das Recht, euch klein zu halten, nur damit er sich selbst groß fühlen kann. Glaubt an etwas und vor allem: Glaubt an euch selbst! 
​Jetzt ist es fast zehn. In einer halben Stunde fällt für mich endgültig der Hammer. Puh, nach diesem Marathon kann die kommende Woche eigentlich nur besser werden – oder zumindest weniger emotional geladen. Morgen ist ein neuer Tag, und heute reicht es einfach mal, nur zu atmen und die Stille zu genießen, bevor das Chaos morgen auf „wundersame Weise“ erneut beginnt.

Gute Nacht ihr Lieben!

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