Hallo ihr Lieben,
falls ihr heute Morgen den perfekten, ästhetischen Urlaubs-Blog mit sanfter Klaviermusik im Hintergrund gesucht habt… seid ihr hier komplett falsch. Willkommen in unserer ganz eigenen Definition von Camping-Idylle: Zwei Erwachsene, drei Kinder und zwei Neufundländer-Leonberger-Mixe auf engstem Raum.
Gebucht hatten wir einen „Wald-Campingplatz“ direkt an einem wunderschönen See. Auf dem Papier die absolute Postkarten-Idylle. Die Realität? Eine echte sportliche Mission. Wir stehen hier in einer permanenten Wolke aus Mücken, es nieselt ununterbrochen, der Wind pfeift bei 17 Grad und ich sitze im dicken Kapuzenpullover auf meinem Campingstuhl. Autan versagt kläglich.
Unsere erste Amtshandlung heute Morgen was deshalb ein verzweifelter Raubzug durch den SB-Shop des Campingplatzes. Alles, was nach Mückenkerzen und Räucherschnecken aussah, gehört jetzt uns. Und während wir hier im Dunst sitzen, ist mein Mann kurzerhand die Strecke nach Hause gefahren, um aus meinem Vorratsregal das Reico-Antimückenzeug für die Hunde zu holen. Denn auch unsere beiden sanften Riesen werden hier draußen schutzlos aufgefressen.
Es ist unperfekt. Es ist nass. Es juckt. Und trotzdem spüre ich seit langem das erste Mal wieder so etwas wie tiefen Frieden in mir.
Die Kunst des Bett-Tetris (und meine Flucht-Taktik)
Wenn ich sage, es ist eng im Wohnwagen, dann meine ich: Wir haben die Raumaufteilung auf ein neues, fast schon mathematisches Level gehoben. Mein Mann und ich teilen uns ein Bett von gerade mal 120 × 190 cm. Jetzt müsst ihr wissen: Mein Mann ist 1,86 Meter groß und trägt T-Shirt-Größe XL – ein kräftiger, stattlicher Kerl. Wenn er sich flach auf den Rücken legt, ist das Bett voll. Er schläft an der Wand, ich an der Kante. Jedes nächtliche Umdrehen ist Millimeterarbeit. Oft genug flüchte ich mitten in der Nacht in mein geliebtes Auto. Und was soll ich sagen? Ich schlafe dort auf dem umgeklappten Sitz im Moment seeeehr gut.
Am anderen Ende unseres fahrenden Zuhauses schlafen die beiden Kleinen im oberen Teil des Doppelstockbetts. Ihre Liegefläche misst eigentlich 80 × 190 cm. Wir haben es in der Mitte halbiert und einen Sichtschutz quer gezogen. Jeder hat exakt seine Hälfte: 80 cm breit und 95 cm kurz. Noch passt es auf den Zentimeter genau. Ich hoffe inständig, dass sie nicht weiter wachsen.
Der einzige König des Campingplatzes ist unser großes Kind. Er hat das untere Stockbett für sich ganz allein. Und wenn wir ehrlich sind: Eigentlich müsste er heute und morgen in der Schule sitzen. Ich habe ihn krankgemeldet. „Magen-Darm“ war die offizielle Version für das Sekretariat.
Die nackte Wahrheit ist: Wir als Familie brauchten diese Auszeit gerade so unendlich dringend. Nach all den schweren Schicksalsschlägen, die der Große in den letzten Jahren mit durchstehen und miterleben musste, ist dieses enge, schützende Beisammensein lebensnotwendig für seine Seele.
Wer schläft wo? Das nächtliche Hunde-Drama
Und wo schlagen sich die Hunde durch die Nacht? Unser Pumba – stolze 82 cm Stockmaß und 63 kg Lebendgewicht – ist die Ruhe selbst. Er schläft draußen vor der Tür unter der Markise wie ein dicker, treuer Türsteher. Der Regen stört ihn nicht im Geringsten. Unsere Trudi sollte das eigentlich auch so machen. Aber bei dem letzten Gewitter hat sich unser kleiner Angsthase fast in die Hose gemacht vor Panik. Die Konsequenz? Trudi zog um – mitten in den schmalen „Flur“ des Wohnwagens. Jeder, der schon mal campen war, weiß, wie eng so ein Gang ist. Wenn da ein ausgewachsener, schutzsuchender Hund liegt, wird der nächtliche Weg zur Toilette zum absoluten Hindernislauf. Aber ganz ehrlich? Wenn sie nachts ihre Schnauze an mein Bein drückt, weil sie Angst hat, ist mir jeder Platzmangel der Welt völlig egal. Es passt einfach zu uns: Wir rücken eben alle zusammen.
Nur wir – Und warum diese Pause so wichtig ist
Denn nicht nur der Große brauchte diesen Halt. Schaut euch unsere Prinzessin an: Zuhause ist ihr Terminkalender vollgepackt wie der eines Managers. Fast jeden Tag eine andere Therapie, ein anderer Arzt, ein anderer Druck. Nächste Woche eine woche auf Station. Und hier? Seit 10:30 Uhr liegt sie im Kinderwagen und schläft einfach nur. Sie schläft so tief und friedlich an der frischen Luft, wie sie es schon lange nicht mehr getan hat. Auch ihr kleiner Körper hat einfach die Notbremse gezogen.
Wir sind alle Mütter. Und kein Gesetz, keine Regel und keine gesellschaftliche Moral dieser Welt kann jemals feinfühlig genug sein, um einzuschätzen, wie es der Seele unserer Kinder tief im Inneren geht. Wir sind die, die jeden Morgen bedingungslos aufstehen, die den ganzen Tag alles geben und die ihre Kinder durch jede Dunkelheit und jedes Licht des Lebens begleiten. Nur wir spüren, wann es Zeit ist, die Welt da draußen kurz anzuhalten. Und das war es jetzt.
Unser fester Plan für diese Tage war: Vier Tage ohne Termine. Kein „Wir müssen dann und dann dort sein“, kein „Schnell, wir müssen los“. Einfach vier Tage sein. Was kommt, kommt, und was nicht, das bleibt weg. Es ist ein Aufatmen, das uns allen Tränen der Erleichterung in die Augen treibt. Ich hoffe und baue auf euer Vertrauen, dass ihr mein Geheimnis in Ehren haltet. Aber diese Tage, so chaotisch sie auch sein mögen, retten uns gerade ein Stück weit.
Der Rettungsplan für den Nachmittag
Heute Nachmittag soll es wieder gewittern. Aber wir haben unseren ganz eigenen, absolut unpädagogischen Rettungsplan: Ich werde gleich mit allen drei Kids in unsere 1,20-Meter-Rutsche wandern. Wir quetschen uns alle zusammen, werfen Netflix an und lassen uns den Nachmittag von *Peppa Pig* vertreiben.
Es ist eng, es ist laut, es ist absolut nicht das, was Erziehungsratgeber empfehlen. Aber für uns ist es in diesem Moment das Wichtigste auf der Welt. Alle zusammen, Haut an Haut, eingekuschelt, während draußen der Regen auf das Wohnwagendach trommelt.
Hier draußen zählt nicht, wie man aussieht, ob man funktioniert oder ob man den Erwartungen anderer gerecht wird. Hier zählt nur das pure Leben und das Wissen, dass wir einander haben und immer für einanderda sind.
Ich rutsche dann mal rüber ins Bett und mache Platz für meine Bande…
Bis bald,
eure Franzi
Unter uns Müttern: Habt ihr auch schon mal diesen Moment erlebt, in dem ihr gespürt habt, dass die Seele eures Kindes wichtiger ist als jede Struktur und jede Pflicht? Schreibt es mir so gerne in die Kommentare – ich lese eure Geschichten nachher heimlich und fest eingekuschelt im 1,20m-Bett.


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