Als hätten wir mit drei Kindern und drei erwachsenen Hunden nicht schon genug Trubel in der Bude, dachte ich mir: Komm, da geht noch was! Letzte Woche wurde unser Mittlerer nämlich drei Jahre alt. Und was wünscht sich ein Dreijähriger inniger als den Weltfrieden? Eigene Häschen. Da Freunde von uns auf Fehmarn einen Gnadenhof betreiben und im Status süße Kaninchenbabys posteten, stand der Masterplan: Wir holen zwei Hoppler! Kein Kaninchen bleibt allein, pädagogisch wertvoll, Check.
Ich delegierte die hochkomplexe Aufgabe der Kommunikation an meinen Mann. Fehler Nummer eins. Während ich mit Bruno das Futterhaus plünderte, einen Hasen-Palast kaufte und ihn aufbaute, lief im Hintergrund offenbar das Spiel „Stille Post“. Wir also das völlig euphorische Geburtstagskind samt Transportbox in den Wohnwagen verfrachtet und ab auf die Insel!
Dort angekommen die absolute Vollkatastrophe: Die Babys waren viel zu jung. Sechs Wochen Mutterschutz standen noch an. Nix mit Einpacken und Loskuscheln. Wir hatten ein tolles Wochenende, aber Bruno…. Wieder zu Hause stand er weinend vor seinem gigantischen, leeren Luxus-Stall. „Ich hab gar keine Häschen!“ Drama-Level: Shakespeare. Sechs Wochen warten? Für einen Dreijährigen ist das ein halbes Jahrhundert!
Also Plan B. Mein Mann, pragmatisch wie immer: „Lass uns bei eBay Kleinanzeigen gucken, da gibt’s welche für nen Zehner.“ Aber ich? Niemals! Wenn schon, denn schon! Ich wollte Tiere von einem absolut seriösen Züchter. Mit drei Kids im Haus kann ich mir hier einfach keine ungeimpften Tiere aus dubiosen Quellen erlauben, das Risiko war mir zu groß. Meine glorreiche Logik: „Wir fahren in die große Zoohandlung! Die arbeiten doch bestimmt nur mit streng geprüften, seriösen Züchtern zusammen. Da weiß ich, was ich habe – geimpft, tierärztlich gecheckt, Profiliga!“ … Herrje, wie unfassbar naiv kann man mit 35 Jahren eigentlich sein?
Wir marschieren also in den Laden. Die Verkäuferin erklärt mir mit der tiefenentspannten Aura einer Yogalehrerin, sie hätten eh nur noch Böcke, die kuscheln da alle harmonisch in einem Gehege. Alles klar. Bruno strahlt und sucht sich ein braunes und ein schwarz-weißes Häschen aus. Damals, als ich noch jung war, hat so ein Kaninchen 10 D-Mark gekostet. An der Kasse durfte ich für diese zwei angeblichen „Premium-Böcke“ stolze 110 Euro blechen! Aber hey, Hauptsache gesund. Hauptsache seriöser Züchter. Dass auf dem Kaufvertrag nicht das Geburtsdatum sondern das Datum der Ankunft in der Zoohandlung stand, merkte ich erst zuhause.
Um mein Gewissen zu streicheln, stand heute trotzdem der Tierarzt auf dem Programm.
Der Tierarzt guckt. Ich gucke. „Zwei Böcke? Tja, das ist ein Männchen und ein Weibchen.“
BÄM.
Der kleine Romeo durfte direkt in der Praxis bleiben. Morgen früh heißt es: Schnipp, schnapp, Eier ab. Und das kleine braune Weibchen? Tja, ob die jetzt schon tragend ist, weil sie in der Zoohandlung fröhlich mit den ganzen hormonvernebelten „Böcken“ auf Kuschelkurs war? Weiß kein Mensch!
Ich koche vor Wut, rufe in der Zoohandlung an, und was krieg ich als Lösung präsentiert? „Oh. Na, das müssen wir dann noch mal prüfen. Wenn die Junge kriegt, dann verkaufen Sie uns die einfach, wir kaufen die ab.“
BITTE?! WAS?! Der absolute Kreislauf des Wahnsinns.
Ich fragte nach: Kann das jeder so machen? „Ja, Einfach nur frei von Parasiten und 12 Wochen müssen sie sein.“ (Und selbst da wäre ich mir jetzt nicht mehr sicher). Jeder kann dort anscheinend seine unkontrolliert vermehrten Kaninchenbabys über die Theke reichen.
Und was habe ich nun? Richtig. Ungeimpfte, ungeprüfte Wundertüten, definitiv nicht vom seriösen Züchter. Genau das, was ich eigentlich um jeden Preis vermeiden wollte.
Ich wollte alles richtig machen und habe jetzt den ultimativen Jackpot gezogen. In meiner rosaroten Planung dachte ich: 25 Euro für ein Kaninchen, plus Stall, Zubehör und Premium-Futter – großzügig gerechnet 200 Euro. Haha. April, April. Allein die spontane Entmannung kostet mich jetzt noch mal einen Hunni extra.
Jetzt sitze ich hier. Der große Stall ist halb voll, ein Kaninchen ist beim Tierarzt, und ich bete zum Universum, dass die kleine Braune nicht in ein paar Wochen aus zwei Kaninchen plötzlich acht macht. Und der absolute Clou an der Geschichte? Weil wir ja unser Wort halten, nehmen wir in sechs Wochen natürlich trotzdem noch die zwei von unseren Freunden aus Fehmarn!
Wenn das so weitergeht, muss ich „GanzTierisch“ bald offiziell als Zoo anmelden.
Also: kurz schütteln, lächeln und weitermachen.
Willkommen in DIESER Familie, ihr zwei Chaos-Kugeln.

