Ostern ist vorbei, und während ich aus dem Fenster sehe, fühlt sich die strahlende Sonne heute fast wie eine bewusste Provokation des Universums an. Wo war dieses Licht, als wir an den Feiertagen im strömenden Regen an der Gulaschkanone standen, den Regenschirm in der einen und den Schöpflöffel in der anderen Hand?

Ich muss fast ein bisschen wehmütig lächeln, wenn ich an unsere Ostereier denke, denen der Dauerregen so zugesetzt hat, dass sie fast all ihre Farbe verloren haben – ein bisschen wie die Pläne, die man sich so schön ausmalt, bevor das echte Leben dazwischengrätscht. Dabei fing alles so hoffnungsvoll an: Den Gesundheitsscheck bei meiner Schwiegermutter haben alle mit Bravour bestanden, ein kleiner, wichtiger Sieg für das Herz. Und gestern, im Tierpark Wismar, beim Treffen mit unseren lieben Freunden von Fehmarn, durfte ich für einen Moment einfach nur durchatmen.
Doch über all dem schwebt dieser verdammte Samstag. Der Moment, als mein Mann und ein Freund voller Zuversicht versuchten, nur ein kaputtes Teil am T5 zu wechseln, und stattdessen die Diagnose einschlug wie ein Blitz: Motorschaden. In diesem Augenblick zieht sich innerlich alles zusammen. Es ist dieses dumpfe, kalte Gefühl in der Magengrube, wenn man begreift, dass es nicht nur ein Haufen Blech ist, der da streikt. Es sind meine Beine, meine Freiheit, meine Fähigkeit, den Alltag mit drei Kindern, den Hunden, dem Studium und meinem Business zu stemmen. Wenn dieser Motor stirbt, bricht hier draußen auf dem Land das Fundament weg, auf dem ich alles so mühsam balanciere. Man fühlt sich plötzlich erschreckend klein, festgenagelt im Nirgendwo, während die Welt draußen einfach weiterrennt. Es ist ein Gefühl von Ohnmacht, das mich an Momente erinnert, in denen man schreit, aber niemand zuhört – man wird unsichtbar, handlungsunfähig, eine Gefangene der Umstände. Dieses „Festgenageltsein“ ist wie ein Echo aus der Vergangenheit, gegen das ich mich immer gewehrt habe. Ich habe mir geschworen, für meine Kinder eine sichere Welt zu bauen, in der man nicht einfach ignoriert wird oder hilflos zusehen muss, wie alles zerfällt.
Am schwersten wiegt es für Rosi. Es gibt da draußen wirklich liebe Interessenten, Menschen, die ihr vielleicht das „Für-Immer-Zuhause“ schenken könnten. Aber sie konnten sie noch gar nicht kennenlernen. Der Motorschaden hat uns die Beine weggezogen, und ich verbringe meine Zeit gerade damit, gegen die Uhr zu kämpfen. Ich versuche verzweifelt, die Interessenten bei Laune zu halten, ihnen zu erklären, warum wir gerade nicht kommen können, und sie inständig zu bitten: „Bitte, wartet noch ein bisschen. Seht euch nicht nach einem anderen Hund um.“ Es ist ein Drahtseilakt zwischen Hoffen und Bangen, während man merkt, wie das Interesse im Wind verweht, nur weil man selbst nicht mobil ist. Es zerreißt mir das Herz, sie warten zu sehen, während ich hier festsitze und nur die Sonne beobachten kann, die hämisch auf das kaputte Auto scheint.
Aber wer mich kennt, weiß, dass Aufgeben für mich keine Option ist. Die Challenge „Goliath gegen David“ läuft weiter, es geht um den 2.000-Euro-Bonus, und ich werde diesen Kampf nicht verloren geben. In diesem Überleben liegt meine größte Rebellion. Während ich also versuche, das logistische Chaos zu bändigen, läuft mein Herzensprojekt „GanzTierisch“ natürlich weiter. Die Oster-Specials sind nun offiziell vorbei, und ich freue mich riesig darauf, dass sich all eure Ostergeschenke morgen auf den Weg zur Post machen. Das Packen dieser Pakete ist für mich gerade fast schon meditativ – ein Stück Normalität inmitten des Sturms. Unsere Logistik für heute steht: Mein Mann ist gerade bei Carglass, um die Frontscheibe des kaputten T5 richten zu lassen – ein letzter Dienst an einem treuen Begleiter, damit er wenigstens mit heilem Blick in den Wiederverkauf gehen kann, auch wenn sein Herz nicht mehr schlägt. Auf dem Rückweg sammelt er die Schwiegermutter ein, unseren Rettungsanker für die Ferienbetreuung der drei Kids, und dann lassen wir das Dorf hinter uns. Wir machen uns auf den Weg nach Berlin. Wir suchen nicht nur ein neues Auto; wir suchen den Weg zurück in die Handlungsfähigkeit, zurück in das Licht. Wir fahren diesem hämischen Sonnenschein entgegen und hoffen, dass er uns den Weg zu einem neuen Kapitel leuchtet. Dass aus diesem Chaos wieder Beständigkeit wächst, mag für manche vielleicht eher unwahrscheinlich klingen – aber ich stehe hier und baue weiter. Drückt uns die Daumen für die Hauptstadt. Wir kommen erst wieder, wenn wir eine Lösung haben.






