GanzTierisch_Blog

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Kategorie: Familie und Leben

  • 29.05.2026 Ein Lebenszeichen – Von Ohnmacht, kleinen Wundern und dem Echo meiner Vergangenheit

    Hallo ihr Lieben,​

    mehr als vier Wochen ist es her, dass ich mich hier gemeldet habe. Es tut mir unendlich leid, dass ihr so lange auf ein Lebenszeichen von mir warten musstet. Aber manchmal bricht das Leben einfach wie eine unvorhersehbare Welle über einem zusammen und spült alles weg, was man sich eigentlich vorgenommen hatte.​Es war keine böse Absicht, dass es so still war. Meine Kraft war schlichtweg aufgebraucht.

    ​Das fing damit an, dass ich aufgehört habe zu rauchen. Der reine Verzicht auf die Zigarette an sich war dabei gar nicht mal das Schwerste. Was mich psychisch wirklich extrem viel Kraft gekostet hat, war, genau in den dunklen Momenten nicht doch wieder blind danach zu greifen. Dieses ständige Kämpfen gegen den Reflex, das eiserne Festhalten an meinem Entschluss, wenn die Gedanken schwer wurden und die alten Muster riefen. Dazu kommt, dass der Körper auf einmal völlig verrücktspielt. Es ist ein ganz komisches Gefühl, wie das ganze System sich umstellt: Plötzlich schläft man miserabel, findet keine wirkliche Erholung mehr in der Nacht und wird stattdessen von einem ständigen, nagenden Hunger begleitet. All das zusammen hat unglaublich viel Energie gefressen.​

    Dazu kam, dass meine Männer für drei Wochen zur Kur waren. Drei Wochen, in denen ich hier als Einzelkämpferin an der Front stand. Den gesamten Alltag, die Kinder, das Haus und unsere Hunde völlig allein zu tragen, war ein Kraftakt, der mich abends oft einfach nur erschöpft ins Bett fallen ließ.

    ​Aber da gab es auch einen wunderschönen, wenn auch wehmütigen Moment des Loslassens: Wir sind jetzt nur noch drei Hunde. Unsere Rosi ist ausgezogen. Es fällt immer schwer, aber sie hat ein so traumhaftes Zuhause bei Menschen gefunden, die sie von ganzem Herzen lieben. Sie ist dort richtig aufgeblüht und genießt es in vollen Zügen, endlich die absolute Einzelprinzessin auf dem Sofa zu sein. Das zu sehen, tröstet über jeden Abschiedsschmerz hinweg.​

    Doch all das verblasst neben dem, was mich in den letzten Wochen am tiefsten erschüttert hat. Bei einer Untersuchung meiner Schilddrüse wurde etwas gefunden. Etwas, das dort nicht hingehört.​Medizinisch gesehen heißt es, es klinge nicht dramatisch, wir kontrollieren das in drei Monaten. Ein Satz, der eigentlich beruhigen soll. Doch die Ärzte benutzten dafür zwei bestimmte Worte. Sie sagten, es sei „eher unwahrscheinlich“, dass es etwas Schlimmes ist.​

    Eher unwahrscheinlich.​

    Für jeden anderen wäre das vielleicht eine Erleichterung. Für mich war es, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegreißen. Ihr wisst, dass mein Buch den Titel „Eher unwahrscheinlich… oder wie ich lernen musste, erwachsen zu werden“ trägt. Ihr wisst vielleicht auch, aus welchen Scherben meiner Vergangenheit dieser Titel entstanden ist. Dieses Wort ist tief in mir verwurzelt mit Schmerz, mit Überlebenskampf und mit Dingen, auf die man sich eben nicht verlassen kann. Ich vertraue schon lange auf kein ärztliches „eher unwahrscheinlich“ mehr.​ Dieser Satz hat mich eiskalt erwischt. Er hat tief verborgene Ängste wachgerüttelt und mich gezwungen, mich all dem zu stellen. Wenn man innerlich so sehr kämpft, um nicht auseinanderzufallen, um die eigenen Dämonen zu sortieren, dann hat die Welt da draußen keinen Platz mehr. Ich musste mich einigeln. Ich musste mich auf mich konzentrieren, auf meine Kinder, die Hunde und darauf, irgendwie stark und aufrecht zu bleiben.

    ​Und heute? Heute ist Freitag. Wir packen gerade unsere Sachen. Wir fahren mit dem Wohnwagen für einen Wochenendausflug auf die Insel Fehmarn. Dort werden wir von einem Gnadenhof von Freunden zwei Zwergkaninchen-Babys abholen. Unser Mittlerer ist gerade drei Jahre alt geworden – und wie wunderbar fügt sich das jetzt alles zusammen. Er bekommt nun die Chance, Verantwortung für ein kleines Leben zu übernehmen. Ich möchte, dass er das lernt. Das wird ihn prägen, ihn stärken und seinen Blick für verantwortungsbewusstes Handeln öffnen.​

    Es sind ohnehin genau diese kindlichen Momente, die mich immer wieder retten. Vor Kurzem saß unser Großer mit dem Großvater auf dem Rasentrecker. Plötzlich bremste er abrupt, stieg ab, nahm ganz behutsam eine Weinbergschnecke vom Boden auf und trug sie in Sicherheit. Der Großvater verstand die Welt nicht mehr. Aber mein Sohn sah ihn an, zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Jedes Leben zählt.“

    ​Als ich das hörte, ging mir das Herz auf. Das sind die Momente, für die ich kämpfe. Das ist der Beweis, dass ich den Kreislauf durchbreche und eine Welt für sie baue, die voller Liebe und Empathie ist. Das gibt mir die Kraft, weiterzumachen – egal, was noch kommt.​

    Vielleicht ist in drei Monaten bei der Kontrolle wirklich nichts. Aber „wahrscheinlich“ ist eben nicht sicher. Bis dahin sitze ich auf einem Pulverfass und muss aushalten, dass ich nichts tun kann. ​Aber der Wille ist wieder da. Der Wille, den Blick nicht mehr nur ins Innere zu richten, sondern wieder nach draußen zu gehen. Ich werde euch wieder mehr auf meine Reise mitnehmen. Auch in meinem WhatsApp-Kanal, wo wir sonst so viele wertvolle Informationen rund um den Hund teilen, wird es bald wieder lebendiger.​

    Danke, dass ihr mir diese Zeit gegeben habt. Danke für eure Geduld. Und vor allem: Danke, dass ihr da seid.​

    Eure Franzi

  • 12.05.26 zwischen IT Experimenten und Sendepausen

    Hallo, Ihr lieben,

    Es war lange Funkstille hier. Wenn man sich von innen heraus neu struktiert, hat das „Außen“ oft erstmal Sendepause. Nun sitzt mein ITLER neben mir und wir probieren gerade diesen Blogeintrag vom Handy aus hoch zu laden, sodass ich euch schneller und unkomplizierter mit auf die Reise nehmen kann. Sollte das hier etwas komisch aussehen, habt Verständnis, wir sortieren noch 😅

  • 14.04.26 Diesmal gibt es keinen Stacheldraht – Über die Liebe und das Loslassen

    Kennt ihr das, wenn die Welt um euch herum unglaublich laut ist, aber in eurem Inneren alles plötzlich ganz still wird?
    Ich sitze hier und während ich diese Zeilen für euch tippe, laufen mir die Tränen übers Gesicht. Ich will nicht, dass das hier ein schöner, glatter Blogpost wird. Ich möchte, dass ihr das spürt, was ich gerade fühle. Denn gestern Nachmittag, punkt 17:13 Uhr auf dem Rückweg von der Nähe von Eberswalde, ist etwas in mir zerbrochen – und gleichzeitig ist etwas ganz Kostbares heil geworden.


    Ein Platz im Auto ist leer. Und die Stille, die Rosi hinterlässt, dröhnt in meinen Ohren.
    Rosi war gerade acht Wochen alt, als sie bei uns einzog. Ich habe sie aufwachsen sehen, habe jeden ihrer Schritte begleitet. Aber ich will ehrlich zu euch sein: Unsere Geschichte war keine dieser kitschigen Hund-Mensch-Romanzen. Rosi hat mich nie „richtig“ geliebt. Sie war kein Hund, der mir freudestrahlend in die Arme gesprungen ist. Aber sie hat mich akzeptiert. Das war unser Deal. Ein stilles Einverständnis zwischen uns beiden und für mich war das genug.
    Ihr ganzes Herz, ihr wahres Leuchten, das gehörte meinem Mann und meinen drei Kindern. Und genau deshalb zerreißt es mich so. Ich habe gestern nicht nur einen Hund abgegeben – ich habe einen Teil unseres Familiengefüges weggegeben.

    Die Geister auf der Rückbank

    Während ich gestern am Steuer saß, saßen da eben auch noch andere auf der Rückbank. Nicht nur meine drei hungrigen, quengelnden Kinder. Da saßen die Geister meiner Vergangenheit.
    Ich musste an Fussel denken, meinen Anker aus den Kinderheimen. Er hat durch all das Chaos so einen Knacks wegbekommen, dass er am Ende versuchte, meinen Sohn zu beißen. Ihn abzugeben, fühlte sich damals wie ein riesiges Versagen an. Fussel lebt jetzt auf einem Bauernhof und ist ein glücklicher Hund. Ich weiß, dass es der richtige Weg für ihn war, aber der Schmerz von damals fährt trotzdem noch immer mit mir im Auto.


    Und dann ist da Balu. Der Schmerz, der mir bis heute die Kehle zuschnürt.
    Ich war gerade mal 18 Jahre alt, als Balu mit acht Wochen zu mir kam. Er begleitete mich sechs Jahre lang durch dick und dünn. Er war meine Konstante. Als ich damals auszog, ließ ich ihn für eine Woche in seiner gewohnten Umgebung zurück. Ich wollte nur alles vorbereiten, um ihn in Ruhe nachzuholen. Ich wollte alles richtig machen.

    Ruhe in Frieden


    In dieser einen Woche verschwand er spurlos.
    Ein halbes Jahr später las ich in der Zeitung von einem Hund, der 17 Kilometer entfernt mit Stacheldraht zu Tode gequält wurde. Ich weiß bis heute nicht sicher, ob er es war. Aber dieses Foto in der Zeitung… es sah ihm so verdammt ähnlich. Diese Ungewissheit bleibt. War er das? Musste er so leiden, weil ich ihn diese eine Woche nicht bei mir hatte?

    Das Bild, das die Stille bricht

    Gestern um 17:13 Uhr hat mein Kopf geschrien: „Abschied bedeutet Katastrophe! Abschied bedeutet, dass du versagst und sie leiden!“ So hat mein Leben es mir beigebracht. Jedes Mal, wenn ich jemanden ziehen lasse, kommen diese alten Bilder hoch.


    Und dann kam gestern Abend das Bild von Rosi.
    Ich sehe sie dort auf dem Sofa liegen. Ich sehe, wie sie sich wohlfühlt, wie sie sich ausstreckt, wie sie einfach ankommt. Und in diesem Moment spüre ich, wie der Druck in meiner Brust nachlässt.
    Diesmal gibt es keinen Stacheldraht. Diesmal gibt es keine Ungewissheit. Diesmal ist das Loslassen kein Versagen, sondern meine größte Form der Liebe zu ihr. Ich schenke ihr das Leben, das ich ihr hier im Trubel nie ganz so geben konnte: Sie ist jetzt die unangefochtene Nummer Eins.
    Sie dort so glücklich zu sehen, tut so unendlich gut. Es ist der Frieden, den ich für Balu nie finden konnte.
    Ich habe gestern für meine Kinder funktioniert, habe Hunger gestillt und bin weitergefahren. Aber heute Morgen darf ich weinen. Um Rosi, die mich „nur“ akzeptiert hat und die ich trotzdem so schmerzlich vermisse. Und um das 18-jährige Mädchen von damals, das heute endlich begreifen darf: Du hast diesmal alles richtig gemacht.


    Hattet ihr auch schon mal diesen einen Abschied, der eigentlich richtig war, euch aber trotzdem den Boden unter den Füßen weggezogen hat?